rede auf dem bundesplatz vom 2. juni 2012

rede auf dem bundesplatz, bern

Rede auf dem Bundesplatz am TanzDichFrei vom 2. Juni 2012

An alle Tanzende, Protestierende, Wütende, Revolutionäre, Zivilpolizisten, Müllers, Lerchs und Nauses und an alle zufällig Anwesenden!

Das Tanz dich Frei ist mehr, viel mehr als nur eine Party und ein simpler Protest gegen Müllers und Lerchs!

Wie letztes Jahr sind wir auch dieses Mal – als Tanz dich Frei 2.0 – auf der Strasse, um unseren Protest lautstark zu verbreiten!

Wir sind wütend – und das zurecht!

Wir finden keinen Wohnraum. Denn Wohnungen, Sanierungen und Neubauten gibt es nur für Reiche – wir werden verdrängt! Die Stadtpolitik ist einzig und allein daran interessiert, ein zahlungskräftiges Publikum anzuziehen – denn diese Leute füllen die Stadtkassen.

Eine Stadt funktioniert wie ein Unternehmen: profitorientiert!

Wir sind wütend!

Die Lärmbeschwerden einzelner Personen scheinen wichtiger als das Bedürfnis nach Freiraum. Heute sind wir x-tausend Leute, welche dieses Bedürfnis teilen. Zum Vergleich: die Reitschule hat innerhalb eines ganzen Jahres 81 Lärmklagen von etwa 15 Leuten erhalten, weswegen der Vorplatz nun um 00:30 geschlossen werden soll. Was geschieht aber mit all den Leuten? Was geschieht mit der allseits beliebten Piratenbar, die Wochenende für Wochenende für hunderte von Leuten für gute Stimmung und Musik sorgt?

Wir sind wütend!

Es existieren kaum Orte, die nicht überwacht werden, wo wir sein können, uns ausleben dürfen ohne Geld ausgeben zu müssen. Der öffentliche Raum wir zunehmend für Büros, Geschäfte – also allgemein um Geld zu machen gebraucht. Wer nicht in den Rahmen passt wird weggejagt. Von Polizei, Sicherheitskräften und Überwachungssystemen, dem Gewaltmonopol des Staates, welcher uns alle in ein System reinzwingt. Ein System, welches alle Menschen unterdrückt!

Wir sind wütend!

Friedliche Demonstrationen, Strassenpartys, politische Veranstaltungen werden verboten, kriminalisiert, eingekesselt – die Teilnehmenden geschlagen, eingesperrt und mit überrissenen Massnahmen gestraft.

Wir lassen und unsere Meinung und Politik weder durch Gewalt noch sonstwie verbieten!

Wir sind wütend!

Es kann doch nicht sein, dass unser Leben in den 5 Wochen Ferien und zwischen den Arbeitszeiten stattfindet. Nach der Arbeit sind wir zu müde, um das zu machen, was wir wirklich möchten.

eder Augenblick, den du im Jetzt verschwendest, ist verloren – für immer!

Wir wollen arbeiten – jedoch nicht für Gewinn und Profit. Nicht für Chefs und sinnlose Überproduktion. Wir wollen eine Wirtschaft, die produziert, was die Menschen benötigen, nicht was profitfähig ist!

Wir sind wütend!

Weil wir Gesetzen gehorchen sollen, die für uns keinen Sinn ergeben. Die, welche uns „demokratisch vertreten“, vertreten nicht unsere Bedürfnisse – sondern die von Lobbyisten, die des Kapitals oder ihre eigenen.

Die Polizei, welche sich hier plötzlich als Ansprechsperson ausgibt, steht nicht auf unserer Seite, sondern auf der des Kapitals und des Staates! Nur wir selbst können für unsere Bedürfnisse einstehen. Wir wählen und geben unsere Stimme ab, aber dann ist sie weg und wir haben keinen Einfluss mehr darauf, was geschieht.

Ohne Geld ist es in diesem System unmöglich, politisch relevanten Einfluss zu haben. So ein System lehnen wir ab!

Wir brauchen keine Repräsentanten und Repräsentantinnen! Diese Demokratie dient dem Wohl einiger weniger und gibt den anderen das Gefühl, sie könnten über ihr Leben bestimmen. Wir wollen ein System, in dem niemand über andere herrschen kann. Den Kapitalismus, welcher uns alles in eine Konkurrenz zwingt, wollen wir mit Solidarität aus den Fugen heben!

Wir fordern ein System, welches unsere Bedürfnisse wirklich befriedigt!

Wir wollen nicht tagtäglich 8 Stunden, 5 Tage die Woche für den Profit einiger weniger arbeiten.

Wir wollen produzieren, was wir brauchen!

Wir sind wütend – und tragen diese Wut auf die Strasse!

Es darf jedoch nicht bei diesen Strassenpartys bleiben. Wir wollen wirkliche Veränderungen, nicht vor der Realität flüchten und unseren Kopf mit Alkohol und Feiern betäuben.

Werdet aktiv! Organisiert euch, widersetzt euch! Veranstaltet selbst solche und andere Proteste!

Schweigt nicht, wenn ihr schreien wollt!

bundesplatz bern 2. Juni 2012
Für die Autonomie und Selbstbestimmung – gegen Konkurrenz und Spaltung!

4.6.12 posted on Facebook: Faiss Buck 

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Über juerg luedi

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